Der Sommer 2026 – ein Ausblick auf die Wasserzukunft im Wallis?
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FMV-STUDIE
Jean-Noël Saugy, Markus Schwager,
Pascal Fauchère
Ist der aussergewöhnliche Sommer, den wir gerade erlebt haben, ein Vorbote der hydrologischen Bedingungen, an die sich die Walliser Gemeinden in Zukunft anpassen müssen? Ein Vergleich mit aktuellen Klimaszenarien liefert erste Anhaltspunkte. Er lässt Sommer erwarten, welche insgesamt mit dem diesjährigen Sommer vergleichbar sind, jedoch mit erheblichen Unterschieden zwischen den Höhenlagen und Regionen. Damit stellt sich eine zentrale Frage: Wie können wir heute das Wassermanagement von morgen vorbereiten? Das Kompetenzzentrum FMV liefert auf Walliser Ebene einen Einblick, gestützt auf die verfügbaren Daten und eine realistische Interpretation der künftigen Entwicklungen.
Im Artikel „War das der Sommer der Zukunft? “ vergleicht MeteoSchweiz die Bedingungen des Sommers 2026 mit denen eines durchschnittlichen Sommers in einer um 3 °C wärmeren Welt. Auf gesamtschweizer Ebene legt diese Analyse nahe, dass der Sommer, den wir gerade erlebt haben und der heute noch als aussergewöhnlich warm und trocken gilt, zukünftig nahe an den Durchschnittsbedingungen liegt. Ein wichtiger Aspekt dabei: sogar noch heissere oder trockenere Sommer sind weiterhin möglich.
FMV wollte diese Analyse auf das Wallis zuschneiden, um einen regionalen und konkreten Einblick in den Klimawandel zu geben. Das Kompetenzzentrum verglich daher die Temperaturen und Niederschläge des Sommers 2026 mit den Klimaszenarien „Klima CH2025“, die von MeteoSchweiz und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich unter dem Dach des National Centre for Climate Services erarbeitet wurden. Das Ziel: zu verstehen, wie ein durchschnittlicher Sommer im Wallis in einem globalen Klima aussehen könnte, das im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 3 °C wärmer ist. Es sei daran erinnert, dass dieser Wert mit den voraussichtlichen Massnahmen zur Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen gegen Ende des Jahrhunderts zu erwarten ist (Klimaszenarien verstehen – MeteoSchweiz)*.
Für den Sommer 2026 stützt sich die Analyse auf Daten von MeteoSchweiz (Räumliche Klimaanalysen – MeteoSchweiz)**. Diese auf Messungen basierenden Daten zeigen die Situation auf einem Kilometerraster und ermöglichen so, regionale Unterschiede über einzelne Wetterstationen hinaus zu untersuchen.
2026 – ein Sommer nahe der zukünftigen Norm?
Der von FMV durchgeführten Analyse zufolge weist der Sommer 2026 auch im Wallis Bedingungen auf, die denen eines durchschnittlichen Sommers in einer um 3 °C wärmeren Welt nahekommen. Je nach Höhenlage und Region zeigen sich jedoch erhebliche Unterschiede.
Bei den Temperaturen sind diese Unterschiede besonders deutlich. In der Rhoneebene und in den hinteren Seitentälern liegen die Temperaturen des Jahres 2026 im Bereich eines zukünftigen Sommers. Im Walliser Chablais überschreiten sie diesen Referenzwert sogar leicht, und zwar um etwa 0,5 °C.
In den Bergen sieht das Bild anders aus. Auf fast allen Gipfeln lagen die Temperaturen zwischen 1 und 3 °C tiefer als die für das zukünftige Klima prognostizierten Werte. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied im Monte-Rosa- und im Mischabel-Gebiet (Abbildung 1 unten).
Über den gesamten Kanton war der Sommer 2026 auch etwa 10 % trockener als ein zukünftiger Sommer. Hinter diesem Durchschnitt verbergen sich starke Unterschiede zwischen den Tälern.
Abbildung 1: Sommertemperaturen: Ein Sommer 2026, der insbesondere in den Bergen weniger warm ist als der zukünftige Sommer.
Differenz zwischen der Durchschnittstemperatur eines zukünftigen Sommers bei einer globalen Erwärmung von +3 °C und des Sommers 2026 (Abweichung in °C).
Blau: zukünftige Temperaturen sind tiefer als 2026, Rot: zukünftige Temperaturen sind höher als 2026, Weiss: zukünftige Temperaturen sind vergleichbar.
Regional sehr unterschiedliche Niederschlagsmengen
Im Gegensatz zu den Temperaturen folgen die Niederschlagsunterschiede zwischen dem Sommer 2026 und einem zukünftigen Sommer nicht einem höhenabhängigen Muster. So verzeichnete das Zentralwallis Niederschläge, die nahe am zukünftigen Referenzwert liegen (Abbildung 2). Im Gegensatz dazu war das Jahr 2026 im Goms, in der Aletschregion und im Einzugsgebiet der Dranses deutlich trockener. Geringere Niederschlagsmengen im Sommer 2026 sind – etwas weniger stark ausgeprägt – auch im Simplon, im Mattertal, in der Region Leukerbad und im Chablais zu beobachten.
Lokal betragen die Abweichungen mehrere Dutzend bis mehrere Hundert Millimeter Niederschlag über den gesamten Sommer. So beträgt das durchschnittliche Defizit beispielsweise 102 mm im Goms (Gemeinden Goms und Obergoms) und 74 mm in der Gemeinde Val de Bagnes. Bezogen auf die Fläche der Gemeinden entsprechen diese Abweichungen zu einem zukünftigen Sommer etwa 29 Millionen bzw. 22 Millionen Kubikmeter weniger Wasser.
Abbildung 2: Sommerniederschläge: deutliche Unterschiede zwischen den Einzugsgebieten.
Absolute Abweichung der kumulierten Niederschläge zwischen einem zukünftigen Sommer bei einer globalen Erwärmung um +3 °C und dem Sommer 2026 (Abweichung in mm). Rot: zukünftige Niederschläge liegen unter denen von 2026, Blau: zukünftige Niederschläge liegen über denen von 2026, Weiss: zukünftige Niederschläge sind vergleichbar.
Heute für die Wasserwirtschaft von morgen vorsorgen
Auch wenn die Temperaturen und Niederschläge des Sommers 2026 Ähnlichkeiten mit denen eines durchschnittlichen Sommers in einer um 3 °C wärmeren Welt aufweisen, bedeutet dies nicht, dass die tatsächlich verfügbaren Wasserressourcen vergleichbar sein werden.
Weitere Faktoren spielen eine Rolle: die Evapotranspiration, die Entwicklung der natürlichen Ressourcen – insbesondere der Gletscher, der Schneedecke und des Grundwassers – aber auch die Veränderung der Nutzungen. Es geht also nicht nur darum, wie viel Wasser zur Verfügung stehen wird, sondern auch darum, wann und wo es zur Verfügung steht und welchen Wasserbedarf es decken kann.
Der Sommer 2026 bietet somit einen Einblick in bestimmte Bedingungen, mit denen das Wallis in Zukunft voraussichtlich häufiger konfrontiert sein wird. Er zeigt vor allem wie wichtig es ist, vorausschauend zu handeln. Eine koordinierte und multifunktionale Wasserbewirtschaftung, welche auf Ebene Einzugsgebiet konzipiert ist, soll dazu beitragen, die Ressourcen besser zu sichern, die natürlichen Lebensräume zu erhalten und das verfügbare Wasser nachhaltig zu nutzen.
FMV unterstützt die Gemeinden
Für die Gemeinden bedeutet diese Entwicklung, die Wasserbewirtschaftung ganzheitlich zu betrachten: die Ressource Wasser zu schützen, sie angemessen zu nutzen und sich vor wasserbedingten Gefahren zu schützen. Die Herausforderung besteht darin, multifunktionale Ansätze auf Ebene der Einzugsgebiete zu entwickeln – ein Vorgehen, das sich in die von der FMV verfolgte Strategie einfügt.
FMV begleitet die Walliser Gemeinden bei diesen langfristigen Überlegungen: die Entwicklung der Ressource zu verstehen, Schwachstellen zu identifizieren und auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnittene Lösungen zu erarbeiten. Das Kompetenzzentrum von FMV vereint Fachwissen im Bereich der multifunktionalen Wasserbewirtschaftung und der Entwicklung der Wasserkraft. Ziel ist es, die langfristig zu erwartenden Entwicklungen mit den heutigen und zukünftigen Bedürfnissen in Einklang zu bringen, um die Gemeinden bei ihren Entscheidungen zu unterstützen.
Ein solches Wassermanagement schon heute vorzubereiten stärkt die Fähigkeit der Region, die Herausforderungen der Veränderungen von morgen zu meistern.
* Zu den Klimaszenarien: Klimaszenarien „Klima CH2025“ – MeteoSchweiz und ETH Zürich unter dem Dach des National Centre for Climate Services. Median der verschiedenen Modelle für ein GWL3.0. Dieser Wert wird als Erwartungswert beschrieben (Klimaszenarien verstehen – MeteoSchweiz), der innerhalb eines Bereichs möglicher Werte liegt.
** Für den Sommer 2026: Räumliche Klimaanalysen – MeteoSchweiz: RprelimD/RhiresD/RhiresM für Niederschläge und TabsD/TabsM für Temperaturen. Die Daten für den Monat August sind noch provisorisch.
Umfang der Studie und Vorbehalte
Die Ergebnisse dieser Analyse sind mit Vorsicht zu interpretieren. Der für das zukünftige Klima zugrunde gelegte Erwärmungsgrad von +3 °C stellt ein Vergleichsszenario dar und ist keine Vorhersage für ein bestimmtes Jahr. Er bedeutet auch nicht, dass die Temperaturen im gesamten Wallis gleichmässig um 3 °C ansteigen werden (Gesamterwärmungsgrad (GWL) – MeteoSchweiz). Der in dieser Studie betrachtete zukünftige Sommer stellt zudem durchschnittliche Bedingungen dar. Er beschreibt keinen typischen Sommer, der sich jedes Jahr wiederholen würde. Heißere und trockenere Sommer bleiben möglich, und die Wetterphänomene können sich unterschiedlich über das Wallis verteilen.