Ernen-Mörel 2023: „Die Region pflegt eine jahrhundertealte Beziehung zum Energiesektor“
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Mit dem Abschluss dieses Dossiers tritt die erste erneuerte Konzession unter der Ägide der Walliser Strategie für Wasserkraft in Kraft. Die neue Gesellschaft Kraftwerke Rhone Binna übernimmt den Betrieb der Anlagen, die 2023 zurückgegeben wurden, nämlich die Kraftwerke Ernen und Mörel. Der Prozess verlief erfolgreich und in perfekter Zusammenarbeit mit der ehemaligen Konzessionärin Rhonewerke, FMV, den Konzessionsgemeinden Grengiols, Binn und Ernen sowie dem Kanton Wallis. Francesco Walter, Verwaltungsratsmitglied der Kraftwerke Rhone Binna, der als Präsident von Ernen am Heimfall Ernen-Mörel 2023 beteiligt war, berichtet über diese Pionierleistung und gibt seine Einschätzung zum Kompetenzzentrum FMV ab.
Jahresproduktion: 400 GWh
„Die Region pflegt eine jahrhundertealte Beziehung zum Energiesektor“
„Unsere Region ist etwas Besonderes. Sie besteht aus den drei Gemeinden Grengiols, Binn und Ernen und pflegt seit über hundert Jahren eine Beziehung zum Energiesektor im Oberwallis. In der Vergangenheit entstanden hier wegweisende Genossenschaften und in den 1960er- und 1970er-Jahren wurden bedeutende Kraftwerke wie GKW I, II und III gebaut. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Gesellschaft Rhonewerke gegründet, um die Wasserkraft des Rottens und der Binna mit Konzessionen des Kantons und der Gemeinden zu nutzen. Sie spielte eine Rolle bei der Stromversorgung, die oft mit den Bedürfnissen der Industrie verbunden war. Nach 80 Jahren wurden die Anlagen an das konzedierende Gemeinwesen übertragen, welches sein Heimfallrecht ausgeübt hatte. Diese Schritte wurden von den Urversammlungen mit grosser Mehrheit angenommen. So übernahm 2023 die neue Gesellschaft Kraftwerke Rhone Binna, die sich im Besitz von FMV und den drei Gemeinden befindet, die Nachfolge. Dies ist der erste Heimfall unter dem neuen gesetzlichen Rahmen für die Nutzbarmachung der Wasserkräfte, den die Walliser Bevölkerung gewünscht hatte. Diese Premiere war eine wirkliche Chance für das konzedierende Gemeinwesen. Wir konnten eine echte Interessenabwägung vornehmen. Wir haben erhalten, was wir gefordert haben. Und wir wurden besonders gut unterstützt.
„FMV hat hervorragende technische, rechtliche und wirtschaftliche Arbeit geleistet und dabei transparent mit den Partnern kommuniziert“
Denn es handelt sich um das komplexeste Dossier, mit dem sich unsere Gemeindeexekutiven jemals befassen mussten, und das zeitaufwändiger war als das berühmte Thema der Raumplanung. Rückblickend kann ich sagen, dass FMV, ein in der Region „neues“ Unternehmen, ein solider und aufmerksamer Partner war. Es hat hervorragende technische, rechtliche und wirtschaftliche Arbeit geleistet und gleichzeitig transparent mit den Partnern, insbesondere unseren Experten und Umweltschutzorganisationen, kommuniziert.
Nun haben die Gemeinden die Möglichkeit, Strom zu produzieren, und die Verpflichtung, Risiken zu managen, wobei das grösste Risiko darin besteht, dass die Marktpreise unter den Gestehungskosten liegen. Aus diesem Grund haben mehrere betroffene Gemeinden einen Fonds eingerichtet, um Schwankungen der Strompreise auszugleichen. Als Bergbewohner müssen wir eine langfristige Vision entwickeln. Im Falle unserer Region ist dies angesichts der für die 2040er Jahre geplanten Heimfälle der GKW-Anlagen unerlässlich.“